Jaaaa, er lebt noch…!

Nicht, dass wir daran ernsthaft gezweifelt hätten, aber es war schon etwas ruhig geworden um Peter Neururer!

Nun meldet er sich nicht etwa im Bezug auf eine vakante Trainerposition zu Wort, sondern zum Thema Doping im Profi-Fußball. In einem Interview mit der Sport-Bild sagte er, dieses sei zu seiner Zeit als Schalke-Trainer, damals noch in Liga Zwei, Ende der 80er Jahre “Gang und Gäbe” gewesen. Er nennt sogar konkrete Präparate (Captagon) und behauptet, geschätzte 50% der Spieler hätten regelmäßig gedopt, auch in der ersten Liga. Ja, die Spieler seien regelrecht “verrückt” danach gewesen.

Dies deckt sich übrigens mit Aussagen, die Jens Lehmann kurz zuvor ebenfalls gegenüber der Sport-Bild machte (Lehmann war damals Spieler bei Schalke).

Nun kann man über unseren sabbeligen Peter denken was man will, auch darüber, ob er die Geschichte nutzt, um nach knapp 10 Monaten ohne Job mal wieder etwas mehr Medienpräsenz zu bekommen. An der Glaubwürdigkeit seiner Aussage ändert das für mich nichts. Die Reaktionen der Medien sind dennoch bislang verhalten, man möchte verständlicherweise keinen Bundesliga-Dopingskandal herauf beschwören. Der DFB hält sich auch eher bedeckt, Harald Stenger wirkte gestern im TV-Interview leicht genervt und wies nur darauf hin, dass man Neururer gebeten habe, konkrete Namen zu nennen, um der Sache weiter nach zu gehen.

Konkrete Namen? Ernsthaft, wen interessiert das denn, wer vor 20 Jahren Captagon geschluckt hat? Der Sportinformationsdienst hat jedenfalls den damaligen Schalker Nationalspieler Matthias Herget zu dem Thema befragt, der natürlich wenig überraschend alle Vorwürfe weit von sich wies und auch völlige Unwissenheit vorgab.

Seine Äußerungen werden nun in allen Printmedien zitiert, auch wenn sich wohl kaum jemand ernsthaft noch an Herget erinnern dürfte. Eines seiner abgedroschensten Argumente dabei war: “Durch Stimulanzien kann man vielleicht schneller laufen, aber man wird kein besserer Fußballer. Das ist Quatsch”.

Dieses Argument kann ich nicht mehr hören, es ist schlicht Unfug! Neben den in der Tat nicht durch Medikamente zu steigernden Faktoren Ballgefühl und Technik, zeichnet sich ein “guter Fußballer” wesentlich durch Geschwindigkeit und Kondition aus! Vielleicht hat Herr Herget früher ja auch nur Standfussball gespielt, aber heute gehört das zu den elemanteran Anforderungen an einen Profifußballer! Wer also behauptet, in der Bundesliga gebe es gar keinen Grund, illegale Aufputscher zu nehmen, der verschließt seine Augen vor der Realität. SZ-Online zufolge sind im Übrigen seit 1995 insgesamt 15 Spieler der 1. und 2. Bundesliga des Dopings überführt worden, also irgendeinen Grund hatten diese Spieler dafür ja sicher.
Viel interessanter ist doch wie die Situation wohl heute aussieht! Heute morgen im Sportteil des ARD-Morgenmagazin war ein Interviewpartner, dessen Name und Funktion mir leider entfallen ist, aber dieser Herr antwortete auf die Frage, ob man denn heute in der Bundesliga unerkannt dopen könne vieldeutig, das käme darauf an, welches Mittel benutzt wird, da diese unterschiedlich lange nachweisbar sind.

Neururer wies in seinem Interview übrigens auch darauf hin, dass in seiner Zeit damals erstaunlich viele Astmathiker gab (ähnlich wie im Radsport), wodurch die Einnahme von Medikamenten erlaubt wird, die Stimulanzien (Ephedrin) enthalten. Mich würde mal interessieren, wie die Astmathiker-Quote heute ist…

Naja, man kann sicher viele Spekulationen anstellen, aber mehr wohl leider auch nicht Ich erwarte jedenfalls keine ernsthaften Bemühungen der Verantwortlichen und der Medien das Thema über das Sommerloch hinaus anzugehen, die Bundesliga wird keiner beschädigen wollen. Für mich steht aber fest, dass auch im internationalen Profifußball reichlich gedopt wird, gerade in Ländern, wo man es mit den Kontrollen im Ligabetrieb vielleicht nicht so genau nimmt.

Sicher, genau wie Geld keine Tore schießt, gewinnen Spritzen keine Spiele, aber dennoch kann ein Konditionsvorteil einer Mannschaft letztlich spielentscheidend sein. Von daher müssen die Verbände, allen voran FIFA und UEFA ihre Antidopingmaßnahmen konsequent fortführen und auch die Forschung unterstützen.

Irgendwelche 20 Jahre alten Kamellen eines deutschen Zweitliga-Clubs auszugraben hilft dabei nur begrenzt…

3 Antworten zu Jaaaa, er lebt noch…!

  1. [...] Gelungener PR-Gag, Herr Neururer. Es war doch sehr ruhig um ihn geworden, oder? Passivsportler Dale beschäftigt sich mit dem nicht ganz uninteressanten Thema. Übrigens: Durch solche Aussagen dürfte sich Neururer mehr und mehr zum ähnlich schwer [...]

  2. [...] Jahre/Jahrzehnte. Dem Thema nähert man sich behutsam und nicht mit voller Härte. Auch Passivsportler meint, dass man es untersuchen sollte, aber doch schon lange zurückliegt. Lustig machen sie [...]

  3. [...] von Peter Neururer angeschobene Doping-Diskussion macht auch noch keine Anstalten, aus den Medien zu verschwinden, ganz im Gegeneil. Sogar [...]

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