Ein Abend im DFB-Pokal

Donnerstag, 1. November, 2007

Ticket HSV-Freiburg 31.10.07

Eigentlich bin ich ja kein Freund von Spielen unter der Woche, schon gar nicht wenn es dabei um ein DFB-Pokal-Spiel geht. Irgendwie ist man da als HSV-Anhänger leicht traumatisiert, da die Bilanz in diesem Wettbewerb in den letzten Jahren schlichtweg erschütternd ist. Das geht sogar soweit, dass ich (und das ist wirklich nicht aus Gründen der „Dramatik“ hier erfunden!) in der Nacht zum Mittwoch träumte, im Videotext nach dem Ergebnis dieses Spiels gegen Freiburg zu schauen, um dort ein 6:1 (!) für Freiburg lesen zu müssen… Ich bin im Nachhinein zumindest beruhigt, dass ich offensichtlich keine hellseherischen Visionen habe.

Da das Spiel nun aber nicht im Fernsehen übertragen werden sollte (der Pokal findet ja für die Teams, die nicht FC Bayern heißen weitgehend unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt) ließ ich mich gestern am frühen Nachmittag kurzfristig von einem abendlichen Stadionbesuch überzeugen. Flutlichtspiele sind uns ja leider selten vergönnt, weil wir wie an dieser Stelle bereits erwähnt, keinerlei Freitagsspiele in der Bundesliga haben.

Da mein Kumpel und ich obiges Ticket erst noch vor Ort käuflich erwerben mussten (was problemlos an den Kartenhäuschen möglich war), machten wir uns zeitig auf den Weg. So waren wir bereits um 18:20 Uhr (Anpfiff war 19:00 Uhr) mit einem halben Liter überteuertem Leckbier und Bratwurst in pappigem Brötchen versorgt auf unseren ungewohnten Sitzplätzen (normalerweise stehen wir einen Block weiter links) und blickten in eine doch relativ leere Arena…

HSV-Freiburg vor dem Spiel

Es wurde dann aber doch noch etwas voller (offiziell hatten 39.261 Zuschauer den Weg nach Stellingen gefunden), so dass zumindest die Nordtribüne bei „Hamburg meine Perle“ für angemessene Kulisse sorgte.

HSV-Freiburg Nordtribuene

Dafür, dass das Spiel mit 19:00 Uhr für den normalen Arbeitnehmer doch eine recht frühe Anstoßzeit hatte und es „nur“ gegen einen Zweitligisten ging, sind die knapp 40.000 Zuschauer gar nicht mal so schlecht finde ich. Vielleicht war dahingehend die Nicht-Übertragung im TV ganz förderlich.

HSV-Freiburg Auflaufen

Nachdem Trochowski nur 5 Minuten nach dem 0:1 mit einem schönen Alleingang ausglich, flachte die Partie für den Rest der ersten Halbzeit derart ab, dass ich zwischenzeitlich sicher war, die Physiotherapeuten würden gleich Kissen an die Spieler verteilen, damit sie es sich auf dem Rasen gemütlich machen können. Ich bin zumindest überzeugt, dass ein beträchtlicher Teil der Zuschauer so um die 25. Minute sanft entschlummerte und erst durch den Halbzeitpfiff wieder geweckt wurde. Die Horrorvision, diesem Halloween-würdigen Geschiebe womöglich noch bis zu einer 120. Minute beiwohnen zu müssen, machte mir Angst. Aber eine sofortige Flucht kam nicht in Frage, denn die Couch/TV-Alternative existierte nicht…Versorgt mit einer ebenfalls überteuerten Apfelsaftschorle (ich) bzw. einem Twix, der so alt schmeckte, als hieße er noch Raider (mein Kumpel), nahmen wir also die Herausforderung zweite Halbzeit an. Schlechter konnte es nicht werden und wurde es auch nicht.

Nachdem die zweite Hälfte etwas (!) munterer begann, bekam der HSV in der 52. Minute einen Eckball. Da das bei uns ja nur in einem von gefühlten 1.000 Fällen ein Tor bedeutet, machte ich entspannt noch nachstehendes Foto:

HSV-Freiburg Eckball 2:1

Unser inniger Dank geht hier an die Freiburger Abwehr, die Olic komplett ignorierte, so dass dieser tatsächlich ein kleines Wunder schaffte – ein direktes Kopfballtor nach einem Eckball! Wunderbar! Also nix hier mit Verlängerung! Wir fahren heute nach 90 Minuten nach Hause!

Oder doch nicht? Der HSV tat in der Folge des Führungstreffers nichts, außer sich hinten rein zu stellen und gelegentlich mal den einen oder anderen uninspirierten Angriff zu starten. Freiburg war nicht gekommen, um sich hier kampflos aus dem Pokal werfen zu lassen, entsprechend gab es vermehrt Offensivszenen der Gäste. Wir wurden etwas nervös. Hinter uns saß ein Pärchen, bei dem aufgrund der Gespräche recht offensichtlich war, wass sie wohl nicht gerade Stammgast im Stadion ist. Ihr Kommentar zum Spiel in dieser Phase: „‘Och Schatz, ich würd’ ja gern ein Elfmeterschießen sehen!“ – Kann ich mir vorstellen meine Liebe, aber ich nicht!

In der 70. Minute wird Van der Vaart eingewechselt. Zu diesem Zeitpunkt etwas überraschend, dass dieser das Spiel auf der Bank begann, die anschließende Begründung dafür von Huub Stevens, dieser hätte andernfalls eine eventuelle Verlängerung mit Elfmeterschießen noch nicht durchgehalten ist allerdings überzeugend. Es zeigt auch, welche Qualität der Kader derzeit hat, wenn man sich so etwas leisten kann. Das Spiel wurde jedenfalls in der Folge wieder besser, der HSV konnte sich noch 2 Möglichkeiten erarbeiten und Van der Vaart sorge für Entlastung mit seinem Offensivspiel.

Der Wunsch der unbekannten Dame wurde dann ja in der 90. Minute doch noch zumindest zum Teil erfüllt, als Guerrero in Eishockey-Manier gefällt wurde und – wer auch sonst und wie auch sonst – Van der Vaart mit dem daraufhin fälligen Strafstoß sein 8. Tor im 8. Pflichtspiel in Folge machte.HSV Freiburg Elfmeter

Der souveräne und im positiven Sinne unauffällige Schiedsrichter Kinhöfer pfiff das Spiel dann gar nicht erst wieder an und besiegelte damit den Einzug des Hamburger SV ins Achtelfinale des DFB-Pokals! Sehr schön! Bei der Auslosung wird sich dann herausstellen, ob wir die Pechsträhne wirklich abgelegt haben. Ich glaube das aber erst, wenn uns nicht das Auswärtsspiel beim FC Bayern zugelost wird… Aber hey, dann gäbe es das Spiel zumindest im Fernsehen!

HSV-Freiburg nach dem Spiel

Gott sei Dank konnten wir uns also nach gewohnten 90 Minuten auf dem Heimweg machen.

HSV-Freiburg aussen

Gefeiert wurde gestern Abend übrigens auch nebenan in der Color Line Arena. Während wir uns auf dem Heimweg machten, amüsierten sich dort noch rund 12.000 weitere Leute mit Gary Barlow, Mark Owen und Jason Orange (Howard Donald war verletzt). Motto: TT lives on und der HSV ist wieder immer noch da!

.CLA Take That

Unter dem Strich war es also trotz fussballerischer Rohkost ein netter Abend – hauptsache gewonnen!

Wir danken übrigens dem HVV für den diesmal wieder grottenschlechten Shuttleservice nach Stellingen – vielleicht hätte denen mal jemand sagen sollen, dass 39.000 Fußball- plus 12.000 Take That-Fans auch stolze 51.000 Leute ergeben. Warum man also gegenüber der Bundesliga ein deutlich reduziertes Busaufgebot eingesetzt hat, erschließt sich mir nicht.

Wir danken auch der Stadt Hamburg, die um den S-Bahnhof Stellingen während des Spiels Strafzettel für falsches Parken verteilt hat. Auch wenn sich in die von uns (und Hunderten anderen) zum Parken genutzen Nebenstraße innerhalb eines Industriegebietes normalerweise abends und nachts wohl nicht mehr als ein Auto pro Stunde sprichwörtlich verirren dürfte haben wir natürlich vollstes Verständnis dafür, dass die Stadtkassen eine kleine Finanzspritze gebrauchen können.

Wie auch immer, am Samstag geht es schon wieder weiter – gegen Hertha BSC. Dann aber wieder in gewohntem Block, im Stehen, mit mehr Bier, ohne Auto und auch ohne Take That. Obwohl, die können gerne wieder kommen, vielleicht ist Howie ja bis dahin wieder fit!

Sportliche Grüße!

Dale